Handfasting von Thomas und Jasra

Als Erstes beschreibe ich hier mein eigenes Handfasting mit Thomas. Leider kann ich dieses nicht mehr ganz genau wiedergeben, weil es schon eine ganze Zeit her ist. Es hat am 11.6. 2000 stattgefunden. Dazu gab es ein riesiges mittelalterliches Fest. Wir haben eigentlich insgesamt vier Tage (über Pfingsten) gefeiert. Freitag war Anreise und Aufbau, Samstag hatten wir Zeit, uns unseren Gästen zu widmen, wenn wir nicht gerade mit organisatorischen Dingen beschäftigt waren und am Sonntag haben wir uns dann gebührend feiern lassen. Montag war Ausklang und Abbau. Das Ganze hatte einen mittelalterlichen Rahmen. Die Feierlichkeiten wurden von viel Musik und etlichen künstlerischen Darbietungen begleitet. Auch ein Badehaus mit Massage hat es gegeben. Das Hochzeitsritual selbst fand am Sonntagnachmittag statt.
Ganz wichtig zu erwähnen ist, dass es noch ein zweites Brautpaar gab: Jürgen und Yvonne. Mit ihnen haben wir das Fest gemeinsam ausgerichtet. (Die beiden hatten aber kein Handfasting. Für sie gab es einige Wochen später noch eine Trauung in der Kirche.)
Fotos von der Feier und Danksagungen an alle aktiv beteiligten, sind hier zu finden.
Unser Lager hatten wir in den vier Tagen auf einem CVJM-Gelände aufgeschlagen.

Im Folgenden habe ich den Stichpunktzettel abgetippt, den die Beteiligten von der Priesterin als Ablaufplan bei der letzten Vorbesprechung bekommen haben (Danke an Aelda, dass ich den übernehmen durfte):

Heidnisches Handfasting:
Die Anwesenden teilen sich in Innen- und Außenkreis. Die Personen im Innenkreis sind direkt energetisch am Ritual beteiligt, wer im Außenkreis steht, ist “nur” Zuschauer.

Benötigte Hilfsmittel:
rote Schärpe
Feuerschale
2 Kelche oder Hörner
Hochzeitsmet / Apfelsaft
Räucherschale
Kerzen, Kerzenständer
Dolch
Wasser
Salz
Räucherung
Kekse
Benötigte Personen:
Priesterin
Feuerwächterin
Maiden
Kreiswächter
Barde / Trommler

Ablauf:
1. Ziehen des Kreises mit Abschlußwort. “Der Kreis ist geschlossen. Wir sind zwischen den Welten, jenseits der Grenzen der Zeit, wo Tag und Nacht, Geburt und Tod, Freude und Trauer eins sind.”
2. Segen und Reinigung des Kreises durch die Geister.
3. Der Kreiswächter öffnet eine Pforte, das Brautpaar zieht in den Kreis ein. Priesterin und Brautpaar bilden das Zentrum des Kreises. Der Kreiswächter schließt die Pforte.
4. Reinigung und Segnung des Brautpaares.
5. Anrufung von Gott und Göttin ohne spezielle Namensnennung.
6. Frage: willst du … zu deinem Gefährten?
7. Binden der Schärpe; Gehört und bezeugt.
8. Energie von Gott und Göttin auf das Brautpaar übertragen, Segen für die Verbindung.
9. Das Brautpaar schreitet drei mal um das Feuer, während die Priesterin Kekse und Wein weiht.
10. Brautpaar erhält zuerst Kekse und Wein, verteilt dann die Kekse, der Wein (bzw. Saft) geht im Kreis herum.
11. Aussegnen des Kreises, Dank an Geister und Gottheiten.
12. Gäste gehen, Brautpaar bleibt noch allein (mit Wächter) im Kreis zurück…
13. Auflösen des Kreises

Am Zeltplatz gab es einen kleinen Fluss. Dahinter begann der Wald. Ganz in der Nähe des Flusses gab es eine schöne Lichtung, die groß genug für alle war. Diese hatten wir am Tag vorher als Ritualplatz ausgewählt.
Für Thomas und mich begann die Zeremonie mit dem Ankleiden. Mir wurde dabei von zwei guten Freundinnen geholfen. Danach haben wir gewartet, bis sich alle Gäste versammelt hatten. Bei ca.100 Personen dauert das eine ganze Weile (wobei nicht alle am Ritual teilgenommen haben).
Bevor wir losgingen, gab es noch eine kurze Erklärung zum Ritual. Unter den Gästen waren sehr viele Liverollenspieler und einige, die mit Mittelalter, Heidentum, usw. nichts zu tun hatten. Wir wollten noch einmal ganz deutlich machen, dass die Zeremonie absolut ernst gemeint ist und genauso eine religiöse Handlung sein soll wie eine Trauung in der Kirche.
Zu der Zeit waren Aelda (die Priesterin, Norden ), Markus (der Kreiswächter, Osten), Kerstin (Feuerwächterin, Räucherung,Westen), Da (Trommler) und J.P. (Süden) schon am Ritualplatz und haben dort alles vorbereitet. Aus langen Grashalmen und 50 roten Rosen war ein großer Innenkreis ausgelegt. Der äußere Kreis war nur aus Gräsern gelegt. Der Altar wurde aufgebaut, ein Feuer in einer Feuerschale angezündet, usw…..
Als alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, kam J.P., um die wartende Hochzeitsgesellschaft abzuholen und dann zum Ritualplatz zu führen. Begleitet wurden wir noch von zwei Trommlern. Der Weg führte ca. 10 Minuten durch den Wald. Ich war ganz schön aufgeregt.
Wir als Brautpaar haben etwas abseits gewartet, bis unsere Gäste ihre Plätze eingenommen hatten. Alle direkt am Ritual Beteiligten waren in der Mitte, alle, die bereit waren, einen Teil ihrer Energie mit in das Ritual zu geben, waren im äußeren Kreis und die nur zusehen wollten, stellten sich ganz nach außen.
Dann begann das eigentliche Ritual.
Die Kreise wurden gezogen, gesegnet und gereinigt. Dann wurden die anwesenden Personen gereinigt. Bei der Anrufung der Himmelsrichtungen wurden auch einige Tiergeister angerufen, da ich unter anderem den schamanischen Weg gehe. Mir war es wichtig, meinen Bund mit Thomas nicht nur vor Gott und Göttin, sondern auch vor meinen Verbündeten aus der Geisterwelt zu bezeugen.
Vom Kreiswächter wurde ein Tor geöffnet und wir konnten den Kreis betreten. Auch wir wurden mit Wasser und Salz und Feuer und Rauch gereinigt und gesegnet.
Danach wurden Gott und Göttin in den Kreis gerufen, besser sollte man sagen eingeladen. Dabei wurden keine speziellen Namen genannt.
Dann kam der wichtigste Teil des Rituals. Wir wurden beide gefragt, ob wir uns auch wirklich zum Gefährten wollen. (Natürlich haben wir “Ja” gesagt 😉 ) Unsere Hände, jeweils die rechte, wurden mit einer roten Schärpe zusammengebunden. Die Verbindung wurde vor Göttern, Geistern und anwesenden Gästen “gehört und bezeugt”, was auch von allen laut und deutlich kundgetan wurde. Die Energie von Gott und Göttin wurde auf uns übertragen und ein Segen für die Verbindung ausgesprochen.
Danach mussten wir dreimal im Uhrzeigersinn um das Feuer gehen. Das war gar nicht so einfach. Wegen der viele Leute war der Kreis relativ eng, ich hatte ein weites Kleid an und wir hatten gebundene Hände. Die erste Prüfung für unsere Ehe. Ohne gegenseitige Koordination ging es nicht.
Gleichzeitig hat die Priesterin die Kekse im großen Weidenkorb und Wein und Saft im Horn geweiht. Saft ist ganz wichtig, falls es Leute im Kreis gibt, die keinen Alkohol trinken wollen oder dürfen, damit jeder trinken kann. Bei uns hat es z.B. Kinder unter den Gästen gegeben. Wir haben als erste von den Keksen gegessen und Wein getrunken. Natürlich gegenseitig, damit es mit immer noch gebundenen Händen nicht zu einfach wird ;-). Thomas hat mich mit Keks gefüttert und ich ihn. Beim Met war es noch schwieriger. Aber es hat funktioniert. Die zweite “Prüfung” war gemeistert. Dabei haben wir viel gelacht. Dann gingen Wein, Saft und Kekse an alle anderen im Kreis.
Zum Abschluss wurde der Kreis ausgesegnet. Göttern und Geistern wurde für ihre Anwesenheit gedankt und sie wurden verabschiedet.
Am Ende wollten uns alle gleichzeitig gratulieren.
Nachdem die Gäste wieder auf dem Weg zum Lager waren, wurden Thomas und ich noch zu einem etwas abseits gelegenen Plätzchen geführt, das man mit Fellen und Decken für uns vorbereitet hatte. Ein “Wächter” blieb in der Nähe, um dafür zu sorgen, dass uns niemand stört. Wir hatten die Gelegenheit, noch einmal ganz für uns das Ritual in uns aufzunehmen und kurze Zeit abseits von den vielen Gästen das Gefühl zu genießen.
Nach ca. einer halben Stunde sind wir auch zurück zum Lager gegangen.
Inzwischen war der Kreis aufgelöst worden und alles aufgeräumt. Man hat kaum noch gesehen, dass dort noch kurz vorher an die 100 Leute gestanden hatten.
Die Rosen aus dem Kreis habe ich jetzt, zwei Jahre später, immer noch.
Das Fest hinterher war einfach grandios. Die Stimmung war einfach toll. Ich gehe davon aus, da haben der Ritualwein und die geweihten Kekse (die hinterher noch komplett verzehrt worden sind) mit ihrer Energie ihren Teil zu beigetragen.

Dieser Text wurde 2003 verfasst

2010:
Inzwischen sind einige Jahre ins Land gezogen. Unsere Ehe hatte eine Menge Höhen und Tiefen. Sehr vieles haben wir gemeinsam genießen und erleben dürfen. Das Wunder einer Geburt ist dabei wohl am wichtigsten zu erwähnen.
Wir beide haben uns als Menschen sehr viel weiter entwickelt. Immer wieder durften wir uns gegenseitig einen Spiegel vorhalten und voneinander lernen. Im Rückblick kann ich sagen es waren wundervolle Jahre, von denen ich keines missen möchte. Doch inzwischen haben wir uns so unterschiedlich weiter entwickelt, dass unsere Gemeinsamkeiten dabei auf der Strecke geblieben sind. Das Handfasting wurde im Rahmen eines Beltane Rituals 2009 offiziell aufgelöst.

 

November 2019
Jetzt ist unsere Tochter fast 18.
Thomas ist, zu meinem tiefsten Bedauern, im Februar 2017 verstorben.
Er ist zu den Ahnen gegangen.  Doch wir erhalten sein Andenken mit Geschichten,
die wir erzählen.