Lyrik zu den Jahreskreisfesten

Lyrisches zu den Jahreskreisfesten

 

Jul – Wintersonnenwende

 

 

Imbolc

Wintersonne

Es ist kalt.
Bei jedem Schritt knirscht es unter meinen Füßen.
Die Rauhnächte sind noch nicht lange vorbei.
Der Atem bildet Wolken und schlägt sich auf meinem Schal nieder.
Manche Bäume sind noch mit zartem Weiß bedeckt.
Viele hat der Wind schon wieder vom Schnee befreit.
Ich genieße jeden Schritt.
Das Weiß wechselt mit dem dunklen Grau der Bäume
und geht über in endloses Blau.
Ich schließe die Augen.
Das helle Licht der Sonne auf dem Schnee blendet mich.
Ich bin hingerissen von der Schönheit des Winters.
Ich bin beeindruckt, wie viel Licht die “Dunklen Tage” bringen können.
Ich fange das Licht ein und lasse mich von der Sonne wärmen.

Ich betrete den Wald.
Die Sonne leuchtet durch die Äste.
Die hängen gebliebenen Blätter des Herbstes
leuchten wie diamantbesetztes Gold.
Ich bin jenseits der Grenzen der Zeit.
Dies ist nicht mehr die alltägliche Welt.
Ich wandere zwischen den Welten.
Die Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen
erleuchten den sonst dunklen Wald.
Jeder Ast, jeder Stein, jede kleinste Wölbung im Boden
ist klar und deutlich zu erkennen.
Meine Gedanken sind klar und hell
wie die Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen.
Und der Schnee knirscht bei jedem Schritt unter meinen Füßen.

Ein Reh, ganz nah.
Sein Fell scheint durch die Sonne von innen heraus zu leuchten.
Es flüchtet nicht, sondern beobachtet mich.
Es heißt mich als Gast willkommen.
Ich spüre die Wesen um mich und sie wissen, dass ich da bin.
Ich spüre die Kälte schon lange nicht mehr.
Ich bin eingetaucht in den Zauber der Wintersonne.
Ich grüße die Bäume, jedes Wesen und jeden Sonnenstrahl auf meinem Weg.
Ich folgte dem Gefühl und gehe immer der Nase nach.
Die festen Wege habe ich längst verlassen.
Ich lasse mich vom glitzernden Schnee leiten.
Tierspuren sind meine Wegweiser.
Ich weiß, sie beobachten mich, die Wesen des Waldes.
Immer noch knirscht Schnee unter den Füßen.

Und dann stehe ich mitten drin.
Ich erwache wie aus einem Traum.
Ich hatte sie wieder gefunden.
Der quadratische Wall umgab mich.
Unberührter Schnee, nur meine eigenen Spuren.
Lange war mein letzter Besuch her.
Und doch jedes Stück vertraut.
Ich stehe auf uralten Boden.
Die Kraft des heiligen Platzes durchströmt mich.
Ich verneige mich und grüße alte Bekannte.
Ich spüre die Kraft der alten Götter um mich und in mir.
Leise halte ich Zwiesprache.
Mit ihnen und vor allem mit mir selbst.
Meine Gedanken sind klar durch die Kraft der alten Götter.

Es ist Zeit zu gehen.
Ich wandere zurück über uralten Boden,
erleuchtet von den Strahlen von der Wintersonne.
Es ist kalt.
Bei jedem Schritt knirscht es unter meinen Füßen.
Der Atem bildet Wolken und schlägt sich auf meinem Schal nieder.
Ich verabschiede mich von der Sonne
und danke den Geistern des Waldes für ihr Geleit.
Die alten Götter haben mich erhört.
(Jasra,  17.2.2006)

zum Jahreskreisfest Jul


Imbolc

Narren treibt den Winter aus
Tage werden länger.
Sonne kommt wieder heraus
bald schon wird es heller.

Erste warme Tage gegen Eiseskälte.
Sonne komm! Wir warten auf das erste Grün.

Lasst die Trommeln klingen,
Rasseln lauter Schall.
Wilde Masken schlingen
schnell des Winters Hall.

Natur sammelt schon Kräfte
Sich der Kält` zu wehr`n.
Bald schon schießen Säfte,
Leben wird wieder kehr`n.

Eingetlich soll das mal ein Lied werden.  Aber noch hat sich keine Melodie dazu gefunden.

Zum Jahreskreisfest Imbolc

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Die Kraft des Flusses

Tief atme ich die kalte Luft ein.
Feiner Nieselregen benetzt mein Gesicht.
Noch ist es ganz deutlich Winter.
Doch die Natur zeigt schon, dass die Tage langsam länger werden.
Die Osterglocken im Garten schauen mit ersten zarten Spitzen aus der Erde.

Es zieht mich ans Wasser.
Die Wassergeister rufen nach mir
und ich folge der Straße, die zum Fluss herunter führt.
Über mir das laute Krächzen einer Krähe,
Wenn Krähen meine Schritte begleiten, fühle ich mich immer sicher und kraftvoll.

Der Himmel zeigt sich in vielfältiger Schattierung von Grau.
Eine Wildgans fliegt einsam Richtung Horizont.
Im schlammig braunen Wasser einer großen Pfütze spiegelt sich ein Baum.
Auch er wartet schon auf den Frühling.
Er möchte sich wieder in sattes Grün kleiden.

Am Wegrand haben ein paar Gänseblümchen dem Winter getrotzt.
Sie sagen mir „Durchhalten auch wenn gerade alles schwer erscheint.
Du bist stark, auch wenn du Dich mal klein fühlst.“
Ja, stark sind sie, mit ihren kleinen, inzwischen schmutzig weißen Blüten.
Ob sie es bis zum Frühling schaffen werden?

Die stacheligen Köpfe der wilden Karde stehen wie aufrechte,
standhafte Soldaten am Wegrand.
Sie ermahnen mich, immer wachsam zu sein.
„Schütze dich, grenze dich ab, lass draußen, was dir schadet.
Wehre dich, wenn dir jemand böses will.
Ja, das ist erlaubt, das darfst du tun. „

Der Fluss ist neben mir.
Stetig, immer weiter, Tag für Tag, Nacht für Nacht, fließt das Wasser.
Kleine Wellen tanzen munter.
Ich grüße Dich, wundervoller Strom.
Ich grüße Euch, ihr Wesen des Wassers.

Ich stehe am Ufer und schaue auf das Fließen.
und werde eins mit dem Fluss.
Nimm meine Sorgen und trage sie weit fort.
Nimm meine Ängste und trage sie weit fort.
Nimm meine Traurigkeit und trage sie weit fort.

Leichtigkeit breitet sich in mir aus.
Müdigkeit weicht Tatendrang.
Angst weicht Zuversicht.
Dunkle Gedanken fließen mit den Wassern davon.
Kraft steigt in mir auf.

Imbolc ist die Wiederkehr des Lichtes.
Imbolc ist die Zeit des Neubeginns
Das Leben erwacht langsam aus dem Winterschlaf.
Alles bekommt neue Kraft.
So wird auch in mir das Licht stark, die Kraft wächst. .

Danke dem Fluss.
Danke den Geistern des Wassers.
Danke dem Wind und dem Regen.
Danke der Karde und dem Gänseblümchen.
Danke der Krähe.

Jasra, 27.01 2021 (am Tag vor dem Imbolc Vollmond)


Ostara – Frühlingsanfang

Zeit des Frühlings

Erste wärmende Sonnenstrahlen.
Langsam schält sich erstes zartes Grün
Aus dem Grau des Winters.
Die Natur erwacht aus Ihrem Schlaf.
Schlüsselblume, Krokus, Buschwindröschen ~
Boten für hellere, wärmere Tage.
Das Weidenkätzchen lockt mit süßem Honig.
Zugvögel kehren heim aus dem Süden.
Neues Leben entspringt überall.

zum Jahereskreisfest Ostara


Beltaine

Beltaine

Feuer lodern hell.
Musik schallt über die Hügel,
Trommeln, Flöten und Gesang.
Wilde Klänge, … Flammen tanzen.

Feuer lodern hell.
Rote Wangen und leuchtende Augen.
Schneller Atem und lautes Lachen.
Wilde Frauen, … Flammen tanzen.

Feuer lodern hell.
Glänzende Körper und stampfende Füße,
Ekstatischer Tanz und Freudenrufe.
Wilde Männer, … Flammen tanzen

Feuer lodern hell.
Männchen sucht Weibchen.
Innig vereint im Feuerschein.
Wilder Reigen, … Flammen tanzen

zum Jahahreskreisfest Beltaine


Litha – Sommersonnenwende

Sommermorgen

Sonne flutet langsam über sanfte Hügel.
Ein leises Summen liegt in der Luft.
Eine leichte Brise liebkost das hohe Gras.
Der Tag ist noch jung.
Winzige Tautropfen, wie tausende von Diamanten,
schimmern noch im ersten Schein des Morgens.
Schmetterlinge tanzen von Blüte zu Blüte.
Bienen laben sich am süßen Nektar der Akelei.
Lausch der leisen Stimme des Flusses.
Sein Plätschern erzählt vom Tanz der Feen,
erzählt von Nümpfen und Faunen.
Der Wind spielt in den Blättern der Birken.
Er singt das Lied des Sommers.
Im Weißdorn zwitschern Vögel um die Wette.
Hoch oben zieht ein Falke seine Bahn und genießt die Freiheit.
Die Weiden spenden der Quelle Schatten.
Steine sind mit kühlem Moos bewachsen.
Ein Ort der Ruhe und der Kraft.
Magie liegt in der Luft…
Noch sind die Lieder der Nacht nicht ganz verklungen.
Wie im Traum sehe ich Bilder des vergangenen Abends.
Mondlicht spiegelte sich auf dem Wasser.
Altes Volk tanzte auf der Wiese in silbernem Schein.
Der Wind spielte zu Ihrem Reigen.

zum Jahreskreifest Litha


Lughnasad

Die Bienen

Die Bienen summen um mich herum.
Eifrig geht es von Blüte zu Blüte.
Sommerpracht, Blütenduft, leuchtende Farben.
Alles ist bunt, rot, blau und gelb.

Die Bienen fliegen so fleißig von Blüte zu Blüte.
Sie sammeln den süßen Nektar des Sommers.
Sonnenglanz, Sommerklang, tanzende Dolden.
Alles ist bunt, orange, weiß und grün.

Die Bienen laben sich an der Fülle des Sommers.
Sie tanzen den alten Tanz des Lebens.
Von Blüte zu Blüte, den ganzen Sommer lang.
Alles ist bunt, lila, rosa und nochmal gelb.

zum Jahreskreisfest Lughnasad


Mabon – Herbstanfang

Herbst

Heute ist die Zeit der Wende.
Tag und Nacht sind gleich.
Langsam sinkt die Sonne hinter den Horizont.
Ihr Licht wird langsam schwächer werden.
Ihre Strahlen werden an Kraft verlieren.
Der lange Tag wird langsam weichen
für eine lange Nacht.
Der Herbst zieht ein.
Er wird das Land verwandeln
in eine Pracht von rot, orange und gelb.
Schon hält die Göttin ihren Pinsel in der Hand.
In der Erde kehrt bald Ruhe ein.
Die Bäume verlieren ihr Laub in üppiger Schönheit
und bereiten sich vor auf einen langen Schlaf.
Heute ist der Tag des Dankes.
Die reiche Ernte des Sommers ist eingebracht.
Prall, rot und saftig hängen die Äpfel noch schwer am Baum.
Haselstrauch und Wallnussbaum werfen ihre Nüsse ab.
Das Eichhorn sammelt Vorrat für den Winter.
Die letzten Beeren leuchten an den Sträuchern
und laden ein zum festlichen Schmaus.
Ich danke Dir, weise Göttin!
Ich danke Dir, Mutter Erde!
Ich danke Dir, große Schöpferin!
Ich danke Dir, gehörnter Gott!
Ich danke Dir, Vater Sonne!
Ich danke Dir, großer Schöpfer!
Ich danke Euch allen für das Geschenk des Lebens!
Ich danke Euch für die Kräuter, die uns Heilung bringen;
für das Getreide, das uns satt macht;
für Obst und Gemüse, das uns stark macht;
für die Blumen, die uns Schönheit bringen;
für den Samen, der im Frühling neu sprießen wird;
für die Tiere, die für uns ihr Leben gelassen haben;
für die Menschen, die um uns und mit uns waren;
Ich danke Euch für jeden Tag, für jeder Nacht,
für Licht und für Schatten,
für helle und für dunkle Zeiten;
für jedes Lachen und für jede Träne;
für jeden Schmerz und für jede Heilung;
für die Liebe, die Stärke, den Willen und den Mut;
Denn das alles hat mich weiter gebracht auf meinem Weg.
Jasra, 21.09.2006

zum Jahreskreisfest Mabon


Samhein

Samhein

Ich schaue nach Innen.
Ich schaue nach Außen.
Ich suche das Licht in der Dunkelheit.
Dunkle Tage, lange Nächte.
Der erste Schnee ist schon gefallen.

Eine Kerze im Fenster soll Wege weisen.
Kommt meine Ahnen, kommt her zu mir.
Geladen seid Ihr, mit mir zu speisen.
Geladen seid Ihr, mit mir zu trinken.
Ehre, wem Ehre gebührt!

Hier stehe ich nun im Kreis der Alten.
Zwischen den Welten, jenseits der Zeit.
Ein helles Feuer in der Mitte.
Der Rat ist versammelt, die Weisen bereit.
Sie sind meinem Ruf gefolgt.

Ich grüße Euch, meine Brüder und Schwestern!
Ich grüße Euch, die Ihr gekommen seid!
Ich Danke Euch für Rat und Hilfe!
Ich Danke Euch für Schutz und Geleit!
So zieh ich nun weiter, jenseits der Zeit…

Die Alte am Fluss erwartet mich schon.
Sie wäscht die Seelen der Toten
In den tosenden Fluten der Nacht.
Sie heilt die Seelen der Lebenden,
Die wagen, ihr ins Gesicht zu schaun.

Sie gibt Kraft und Mut in der Dunkelheit.
Sie grüßt mich: “Tochter”; Ich grüße sie: “Mutter”.
Sie hält einen Korb für mich bereit.
Ich wasche meine eigene Seele
In den tosenden Fluten der Nacht.

Dann ziehe ich weiter, jenseits der Zeit.
Ich lauf durch die Wälder.
Ich flieg über Felder.
Die Krähe, mein Totem, sie gibt mir Geleit.
Ich werde Sie und Sie wird Ich.
Schwarze Schwingen zwischen Dunkel und Licht.

Unter mir tagt der Rat der Tiere:
Wölfe heulen zum Gruß.
Falke und Adler ziehn ihre Kreise.
Die Schlange ist grad aus ihrer Haut geschlüpft.
Der Hirsch zeigt sein prächtiges Geweih.

Die Grenzen sind dünn zwischen den Welten.
Geöffnet die Tore zum Feenreich.
Geister und Feen besuchen die Menschen
Und wir können jetzt zu Ihnen gehn.
Geladene Gäste aus uralten Tagen.

Wir dürfen wandern zwischen den Welten
jenseits der Grenzen der Zeit…
Wir dürfen wandern zwischen den Welten,
zwischen Licht und Dunkelheit…
Leben ist Tod und Tod ist Leben!

Jasra, 06.11. 2007

zum Jahreskreisfest Samhain

 

Zu den Seiten der  Jahreskreisfeste

Jul – Wintersonnenwende – 21. Dezember
Imbolc – Lichtmeß – 1. oder 2. Februar oder der 2. Vollmond nach Jul
Ostara – Frühlings-Tagundnachtgleiche – 21. März
Beltaine – Walpurgisnacht – 30. April / 1. Mai oder 5. Vollmond nach Jul
Litha – Sommersonnenwende – 21. Juni
Lughnasad – Kräuterweihfest – 2. August oder 8. Vollmond nach Jul
Mabon– Herbst- Tagundnachtgleiche / Erntedank – 22. oder 23. September
Samhain – Halloween – 1. November oder 11. Neumond nach Jul