Sammelsurium

Sammelsurium – Dies und Das

Auf dieser Seite findet alles einen Platz, das sonst zu keiner anderen Kathegorie passt.

Sturmdrache

Sommer.
Es ist warm.
Ruhig liegt der See in der Sonne.
Sanfter Wind macht kleine Wellen.
Und doch liegt etwas in der Luft…
Etwas kündigt sich an…
Schon ziehen erste kleine Wolken am Himmel auf.
Das Gefühl sagt, es wird bald regnen.
Aber da ist noch mehr…
Ich beobachte den Himmel.
Noch ist nichts zu sehen, außer den Wolken,
die langsam immer dichter werden.
Dann geht alles ganz schnell.
Der Wind kommt.
Er zeigt sich in seiner ganzen Kraft.
Er treibt riesige dunkle Wolken vor sich her.
Wie Berge türmen sie sich auf.
Der Himmel verdunkelt sich.
Es ist, als ob plötzlich Nacht geworden sei.
Der erste ferne Donner.
Das Inferno bricht los.
Naturgewalten lassen sich nicht mehr aufhalten.
Ich halte den Atem an.
Ich spüre das kribbeln in meinen Händen.
Wie Wellen durchläuft mächtige Energie den Körper.
Erste Blitze zucken durch das Schwarz des Himmels.
Dann kommt der Regen.
In Sekunden durchnässt er unsere Kleider.
Wir strecken die Arme zum Himmel.
Wir begrüßen die Elemente und beginnen zu tanzen.
Ein tiefes grollen wird zu unserem Rhythmus.
Der Donner hört nicht mehr auf.
Blitze geben jedem unserer Schritte einen Takt.
Der Wind scheint von überall zu kommen.
Bäume werden tief zu Boden gedrückt.
Stämme und Wurzeln kämpfen mit der Macht des Sturmes.
Wir schauen in den Himmel und tanzen mit den Elementen.
Eine unerschöpfliche Kraft durchströmt uns.
Er ist da!
Er zeigt sich!
So klar und deutlich habe ich noch keinen seiner Art gesehen.
Wir grüßen ihn mir Ehrfurcht.
Weit strecken sich seine Flügel über das Land.
Er ist groß.
Er ist mächtig und kraftvoll.
Es ist schön und anmutig.
Er ist beeindruckend und gleichzeitig furchteinflößend.
Und doch verspürt keiner von uns Angst.
Schon fast langsam in der Wildheit des Sturmes
zieht er über uns seinen Kreis.
Seine Gestalt ist ein Farbenspiel aus schwarz, weiß und grau,
durchzogen vom gleißenden Licht des Gewitters.
Er ist geschaffen aus Regen;
Er ist geschaffen aus Wind und Wolken;
Er ist geschaffen aus Blitz und Donner.
Er beherrscht Feuer und Wasser.
Er ist der Herr der Winde.
Er kann alles zerstören aber auch Reinheit und Klarheit bringen.
Er ist der Sturmdrache.


Die Tänzerin

Langsam betritt sie den Raum.
Es wird ganz still.
Alles schaut nur noch zu ihr.
Sie lässt sich Zeit.
Die Spannung steigt.
Dann beginnt endlich die Musik.

Ihre Gestalt ist von fließenden Stoffen verhüllt.
Ich spüre, mein Herz schlägt ein wenig schneller.
Sie hat meinen Blick gefangen.
Weich und sinnlich kreisen ihre Hüften.
Mir wird ein bisschen heiß.
Dann fällt der erste Schleier.

Sie ist die Königin.
Wie im Märchen lasse ich mich verzaubern.
Ihre Füße scheinen kaum den Boden zu berühren.
Sie tanzt direkt auf mich zu.
Weiches Tuch streift meinen Arm.
Und der zweite Schleier ist gefallen.

Jetzt ist ihr Gesicht enthüllt.
Sie schaut mich direkt an.
Ihre Bewegungen; Harmonie – Leichtigkeit – Wildheit
Mir wird ein wenig schwindelig.
Dunkles Haar, tief dunkle Augen, ein strahlendes Lächeln.
Ganz langsam sinkt der dritte Schleier zu Boden.

Es scheint, sie tanzt nur für mich.
Die Musik hat ein Feuer in mir entfacht.
Mit jeder Drehung, die sie macht, lodert es heller.
Immer wieder gibt der Stoff etwas von ihr preis.
Mein Atem geht schneller.
Sie lässt den vierten Schleier fallen.

Sie wirkt immer noch von vielfarbigen Wolken umspielt.
Alles um sie schimmert und glitzert.
Das Spiel der Farben fasziniert und verwirrt mich.
Wieder ist sie mir ganz nah.
Tief atme ich ihren Duft ein.
Und dann gleitet der letzte Schleier zu Boden.

Ein Raunen – ein zarter Schauer läuft mit den Rücken herunter.
Die Musik wird schneller.
Der Rhythmus hat mich gepackt.
Ich kann nicht mehr still sitzen, muss mit klatschen.
Das Klatschen spornt sie an.
Die Kraft ihrer Bewegungen gibt auch mir Kraft.

Ich habe die Zeit vergessen.
Die Welt um mich existiert nicht mehr.
Sie hat mich hypnotisiert.
Es ist wie im Traum.
Ich wünsche mir, sie hört nie auf zu tanzen.
Jede Bewegung ist Leidenschaft.

Und noch einmal wird die Musik schneller.
Ihr Tanz ein Freudentaumel.
Ihre Shimmies lassen mir den Atem stocken.
Wild dreht sie sich im Kreis – weite Röcke fliegen.
Sie genießt jeden ihrer Schritte.
Ihre Bewegungen versprühen ihr Temperament
und pure Lebensfreude.

Die Tänzerin hat mein Herz erobert.
Ich versuche, jeden Zentimeter an ihr zu erfassen.
Ich möchte mich an alles erinnern.
Die weichen Schleier, die Farbe ihres Kleides, das Funkeln von Gold.
Ihre Sinnlichkeit, ihr Temperament, ein vollendeter Tanz.
Dies war mein ganz persönlicher Traum von
“Tausend und eine Nacht”.
(28./29. 12. 2004)


Quantensprung

Draußen ist es schon lange dunkel.
Tiefe Nacht.
Im Haus herrscht Stille.
Nur das Klappern der Tastatur und das Rauschen des Computers.
Eine Seltenheit.
Ich fühle mich wie in Trance.
Mein Kopf ist schneller als die Hände.
Die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen.
Und doch muss ich es zu Ende bringen.
Sonst sind die wichtigen Gedanken wieder fort.
So viele Worte sind heut schon aus mir heraus gekommen.
Gedanken,
Gefühle,
Wahrheiten,
Sehnsüchte,
Ängste,
Erkenntnisse,
Ja, vor allem Erkenntnisse.
Ich habe den Weg gefunden.
Jetzt muss ich nur noch voran gehen.
Ich werde Zeit brauchen.
Viel Zeit.
Und dann wird sich plötzlich alles überschlagen.
So war es schon so oft, wenn die Lösung auf einmal da war.
Aber sie ist da.
Sie liegt in getippten Worten vor mir.
Ich muss sie nur noch in die Tat umsetzten.
Ich kann es noch gar nicht richtig glauben.
Es ist so einfach und doch ganz schön schwer.
Es liegt viel Arbeit vor mir.
Ich stehe grade am Anfang eines ganz neuen Weges.
Gezeigt wurde mir dieser Weg schon oft.
Aber wirklich gesehen habe ich ihn heute zum ersten mal.
Und ich habe zum ersten mal den Mut, den ersten Schritt zu tun.
Ich löse mich von der Angst.
Ich kenne das Ende des Weges nicht.
Ich mache den ersten Schritt in freudiger Erwartung.
Ich habe mir selbst ein Versprechen gegeben.

Nur für mich; für mich ganz allein!
Nicht für die Anderen, nicht wegen der Anderen.
Keine schlechten Ausreden mehr.
Nicht warten. Jetzt sofort.
Mut
Stärke
Selbstachtung
Liebe
Selbstvertrauen
Geduld
Ausdauer
Ehrlichkeit
Das sollen meine ständigen Begleiter werden!

Jasra, in der Nacht vom 16. zum 17.8.2006


Tiefe Liebe

Es war ein ganz besonderer Tag, damals im Sommer…

Wir haben uns gesehen und sofort verstanden.
Wir haben uns gefunden und sofort vertraut.
Wir haben geredet, doch oft brauchte es keine Worte.
Du warst auf einer Reise und ich durfte Dich begleiten.
Ich durfte sehen, was Du gesehen hast.
Liebe auf den ersten Blick,
das war für mich immer nur ein schönes Märchen.
Und dann warst Du plötzlich da…
Du bist an meine Seite gerückt und hast sie nie mehr verlassen.

Ich liebe die Art, wie Du erzählst.
Ich liebe die Art, wie Du gehst.
Ich liebe die Art, wie Du mich anschaust.
Ich liebe die Art, wie Du denkst und wie Du die Dinge siehst.
Ich liebe die Art, wie Du mich zum Lachen bringst.
Ich liebe die Art, wie Du mich hältst, wenn ich traurig bin.
Ich liebe die Art, wie Du mit mir umgehst.
Ich liebe Dein Verständnis und Deine Akzeptanz.
Ich liebe Deine Geduld und Deine Stärke.
Ich liebe Dein Vertrauen und Deinen Mut.
Ich liebe Deine Toleranz und Deine Ausdauer.
Ich liebe Dich, weil Du mich so nimmst, wie ich bin.
Ich liebe Deine tiefen klaren Augen.
Ich liebe Dein Gesicht, wenn Du lachst.
Ich liebe Deinen Bart, wenn er mich kitzelt.
Ich liebe Deine Schulter, an der ich mich so herrlich anlehnen kann.

Wir haben uns verbunden.
Unsere Seelen gehören zusammen.
Du bist ein Teil von mir und ich bin ein Teil von Dir.
Wir waren oft weit auseinander und doch immer ganz nah.
Wir dürfen diesen Weg gemeinsam gehen.
Wir werden gemeinsam jedes Hindernis meistern.
Das Band zwischen uns ist stark.
Es gab andere vor Dir, doch Du bist einzigartig!
Nie habe ich einen getroffen, der so ist wie Du.

Es war ein ganz besonderer Tag, damals im Sommer,
…als wir uns das erste mal begegneten.

Für Thomas
Jasra, 15.03.2006

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Tanz mit dem Wind

Ich schließe die Augen.
Ich versinke im Klang der Trommel,
werde eins mit dem Rhythmus,
lasse mich fallen.
Der Raum um mich verschwindet.
Die Geister rufen nach mir
und ich folge diesem Ruf.
Schwarzes Gefieder,
Wolken und Wind.
Die unendliche Weite des Himmels.

Mein Körper beginnt, sich zu bewegen.
Ich breite meine Arme aus.
Nein, nicht mehr Arme.
Schwarze Flügel.
Ich grüße meine Brüder und Schwestern.
Der Schwarm erhebt sich in die Lüfte.
Das blaugrau des Winterhimmels erwartet mich.
Ein kalter Wind hebt mich weiter nach oben.
Stark sind meine Flügel.
Stark und wunderschön.

Es ist herrlich, die Kraft der Krähe zu fühlen.
Sie fließt durch mich, erfüllt mich.
Ich bin Sie, Sie ist Ich.
Krähenmensch – Menschkrähe.

Jasra, 22.01.2021
(Karfttiertanz mit der Krähe)

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Neumond

Ich zünde eine Kerze an.
Und noch eine.
Und noch eine. …
Ich möchte am liebsten 1 000 Kerzen brennen sehen.

Die Nacht ist kalt und dunkel. …

Ich möchte diese Nacht heute erhellen.
Doch die dunkle Mondin lässt mich nicht.
Sie zeigt die Schatten auch in 1 000 hellen Flammen.
Und ich sehe was sie mir zeigt.

Drei kleine weiße Blätter Papier …
Ich schreibe es darauf,
das eine Wort,
das was sie mir gezeigt hat.
Drei mal …
Aller Guten Dinge sind drei.

Drei mal schreibe ich es nieder
und schaue in die Flammen
der drei Kerzen vor mir.

„Dunkle Mondin …
Weise Alte …
Kraftvolle Göttin …
Ich bitte dich an meine Seite.“

Ein kleines Licht trage ich hinaus in die Dunkelheit.
Eine kleine Flamme.
Und doch spüre ich ihre Wärme.
An ihr entzünde ich die kleinen weißen Zettel.
Einen nach dem anderen.
Kleine helle Lichter in der Dunkelheit.
Übrig bleiben Asche und Rauch.
Asche zur Erde – Rauch zum Himmel.

Ich lasse los …
Ich lasse los …
Ich lasse los …

Jasra, Neumondnacht 13. auf 14. November 2012

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Sturm der Wandlung

Langsam verdunkelt sich der Himmel.
Wolken werden herangetrieben und verschlingen die Sonne.
Der Wind peitscht um die Häuser und zerrt an Fensterläden und Dachziegeln.
Regen peitscht gegen das Fenster.
Und dann scheint plötzlich wieder grell die Sonne ins Zimmer.
Die Regentropfen auf der Scheibe glitzern wie tausend Diamanten.
Die Elemente tanzen wild umeinander.
Regen, Sonne, Wind — Wasser, Feuer, Luft
Sie tanzen ihren Reigen um Mutter Erde herum.

Der Wind trägt heute vieles mit sich fort.
Er nimmt die Angst und lässt sie in der Sonne verglühen.
Er nimmt die Angst und lässt sie vom Regen fortspülen.
Er schafft Platz für neues Vertrauen.

Der Wind ist heute unser guter Freund in der Not.
Er nimmt die Mutlosigkeit und lässt sie im Feuer wandeln.
Er nimmt die Mutlosigkeit und lässt sie vom Wasser transformieren.
So ist wieder Platz für neuen Mut und neue Zuversicht.

Der Wind ist heute unser Heiler, unser Schamane.
Er nimmt den Seelenschmerz und lässt ihn vom Feuer heilen.
Er nimmt den Seelenschmerz und lässt ihn vom Wasser mitnehmen.
So entsteht Platz für Liebe und innere Wärme.

Der Wind ist heute unser Vertrauter und Ratgeber.
Er nimmt unsere Tränen und lässt sie vom Feuer trocknen.
Er nimmt unsere Tränen und lässt sie mit dem Wasser davon fließen.
Er schafft Platz für Lachen und Lebensfreude.

Der Wind fegt heute durch uns hindurch.
Er nimmt unsere Hoffnungslosigkeit und lässt sie von der Sonne verzehren.
Er nimmt unsere Hoffnungslosigkeit und lässt sie vom Wind wie Staub verwehen.
Er macht Platz für Hoffnung und Tatendrang.

Der Wind pustet heute unsere Wunden.
Die Sonne streichelt heute unsere Seelen.
Das Wasser klärt heute unseren Geist.

Mutter Erde gibt uns Halt, damit der Wind uns selbst nicht davor wehen kann.
Mutter Erde schützt uns, damit die Sonne nicht uns selbst verbrennen kann.
Mutter Erde trägt uns damit das Wasser uns nicht fortspülen kann.

Und der Sturm tanzt um uns herum.

Ich danke den Kräften der Elemente.
Ich danke der Sonne, dem Regen und dem Sturm.
Ich danke Mutter Erde.

Schamanin Jasra, 11.03.2021